Eine Reise nach Südkorea

korea.jpgLiebes Tagebuch, 05./06.08.04 heute sind wir ganz früh aufgestanden um in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas, zu landen. Der Grund unseres Fluges ist ein Jugendaustausch mit Südkorea. Ermöglicht hat uns die Reise das Jugendzentrum Mizy in Seoul und die schon bestehenden Kontakte zum Ilsenburger Jugendverein Cafe am Heizhaus, in Kooperation mit der Ilsenburger Stadtjugendpflege.

Noch sind wir ruhig, es ist ja noch früh und wir sind müde. Das Erwachen stellt sich auf dem Flughafen ein beim Anblick unseres Aeroflot – Flugzeuges nach Moskau. Trotz Schock kommt langsam die Vorfreude auf unser eigentliches Ziel. Dies erreichen wir nach ca. 20 Stunden des Unterwegsseins und 8 Stunden Zeitverschiebung. In Seoul auf dem Flughafen warten einige der koreanischen Teilnehmer auf uns mit „Herzlich Willkommen“ Schildern. Es ist ein schönes Gefühl in der Fremde empfangen zu werden. Im Mizy Centre sind all die anderen koreanischen TeilnehmerInnen und begrüßen uns. Dieses erste Aufeinandertreffen ist noch etwas distanziert denn wir sind fertig vom Flug und schließlich kennen wir uns nicht. Das ändert sich jedoch schnell beim gemeinsamen Abendessen, auf dem Boden sitzend, typisch koreanisch, mit Kimtschi (scharf eingelegter Kohl) was erst einmal ungewöhnlich ist für mitteleuropäische Gaumen. Das Wort „ungewöhnlich“ liegt uns noch oft auf der Zunge!

07.08.

Heute fahren wir alle zusammen an die Grenze zu Nordkorea. Zuerst besuchen wir den 3. Tunnel, welcher unterirdisch direkt an Nordkorea grenzt. Er soll von Nordkoreanern aus Spionagegründen gebaut sein. Des weiterem besuchen wir die Friedensbrücke, wo früher Gefangene ausgetauscht wurden und anschließend bekommen wir alle an der letzten Bahnstation (Dorasan-Station) vor Nordkorea einen Stempel in den Reisepass. Ab Seoul sind uns schon viele Panzersperren aufgefallen die zeigen, dass wir in sensibles Gebiet einreisen. Und wir reisen tatsächlich ein denn in der Grenzregion der Demilitarisierten Zone (DMZ) müssen wir unsere Pässe abgeben. Wir verbringen die Nacht in dem Dorf Hae-O-Ruem, in einem Gemeindehaus. Rundherum wird gewarnt vor Minenfeldern, also auf den Wegen bleiben! Am Nachmittag bereiten wir den deutsch-koreanischen Abend vor, mit landestypischen Spezialitäten (die Deutschen leider aus Tüte und Dose zubereitet), Spielen und musikalischer Unterhaltung.

08.08.

Nach einem deutschen Frühstück (Müsli, Marmelade, Reisbrei! und Brot) gehen wir zu einer Dorffamilie um Tofu herzustellen. Aus Sojabohnenextrakt schöpfen wir Flüssigkeiten, pressen eine Masse heraus und rühren den Ofen bei unglaublichen Temperaturen, denn wir sind die Glücklichen, die einen außergewöhnlich heißen Sommer erleben dürfen, leider nach der Regenzeit welche die Luftfeuchtigkeit noch erheblich erhöht hat. Gegen Mittag fahren wir mit dem Bus in ein weiteres Dorf (Daesung-Dong), welches das nächst gelegenste zu Nordkorea ist und uns nur durch Hilfe einer Sondergenehmigung erlaubt ist zu besuchen. Selbst für Südkoreaner ist es schwer diesen Ort zu erreichen. Die Aufgabe der Bewohner des Dorfes ist es, den Ort am Leben zu erhalten und den Nordkoreanern ins Auge zu schauen. Genau auf der anderen Seite der Grenze gibt es ein nordkoreanisches Pendant zum südkoreanischen Dorf – Propaganda. Wir dürfen nach Nordkorea hinein fotografieren werden aber stets von Soldaten bewacht. Es ust ein bedrückendes Gefühl zu wissen welch großes Elend so nah von uns existiert.

Am Nachmittag, zurück im Gemeindezentrum, findet eine Gesprächsrunde statt zu dem Thema Nord- Südkorea, Ost- Westdeutschland und die Entwicklung der Länder unter dem Friedensaspekt. Vor der Rückfahrt nach Seoul bekommen wir den selbst gemachten Tofu zu probieren und er ist lecker.

09.09.

Wieder in Seoul strömen wir in Kleingruppen aus, zusammengesetzt aus koreanischen und deutschen TeilnehmerInnen die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten kennen zulernen. Nach der Rückkehr im Mizy Centre findet eine Fotoshow statt, dank digitaler Foto- und Computertechnik. So können alle erleben was sie in ihrer Kleingruppe vielleicht nicht geschafft haben zu Besuchen. Das Highlight ist der alte Königpalast im traditionellen Baustil genau wie auch das Volksmuseum und der Kunst- und Handwerkermarkt Insadong. Im Anschluss bekommen wir die Bedeutung des Jiri-Mountain in der koreanischen Geschichte erläutert, unser nächstes Reisziel. Der Tag endete wieder mit einem gemeinsamen Abendessen in einem traditionellen koreanischen Restaurant.

10.09

Fünf Stunden Fahrt in den Süden Südkoreas sind heute zu bewältigen. Vor unserem eigentlichen Ziel für diese Nacht halten wir in Gwangju um uns einen Gedenkfriedhof anzuschauen. Der nächste Stopp ist Mitten in den Bergen, vor einem buddhistischen Tempel. Hier wollen wir eine Nacht bleiben und mit den Mönchen den Tag verbringen. Schon in den ersten Minuten waren wir von der Stimmung im Tempel fasziniert und von den vielen Lotusblüten. Nach der ersten Einheit im Beten und Meditieren im Schneidersitz, haben wir Probleme unsere Knochen wieder in die Ausgangsposition zu verlagern. Aber entschädigt werden wir. Der Mönch hat für uns so weit gereisten Gäste ein tolles Abendprogramm arrangiert. Bei Panflöten- und Gitarrenklängen herrscht eine idyllische Stimmung im Dunkeln, am Lotusteich, mit Lampions. Danach nehmen wir alle an einer Lotusteezeremonie teil. Es wird ein später Abend!

11.09.

Vier Uhr aufstehen und 4.30 Uhr erklingt die Friedensglocke. Es ist dunkel und bevor die ersten Sonnenstrahlen kommen kriecht uns schon Lotusduft in die Nase. Nun heißt es beten und meditieren, oh Gott die Uhrzeit, aber der aufgehende Morgen und die Nebelschwaden über den Bergspitzen entlohnen. Es folgt Frühsport. Ein paar Übungen aus dem Joga überzeugen wieder von der Fitness des Mönchs, der uns im Alter bei weitem überlegen ist. Zur Erfrischung trinken wir den Tau von den Lotusblättern – mmh. Nach einem Spaziergang über das Tempelgelände zeigt uns der Mönch sein Tibetmuseum und wir sehen neben vielen Exponaten auch Bilder: „unser“ Mönch und der Dalai Lama. Von dort aus geht es in das Dorf Uisin, direkt im Nationalpark Jiri Mountain. Hier schnitzen wir Holzfiguren und einige von uns schwitzen bei der brütender Hitze schon vom Zuschauen. Dafür geht es danach zum Fluss baden. Aus Respekt vor der Natur und den Wanderern gehen fast alle mit ihrer vollständigen Kleidung baden. Etwas ungewöhnlich für uns, aber Hauptsache kühles Nass.

12.09.

Wir wachen auf und ein erster Schreck: ein deutscher Teilnehmer hat eine dicke Lippe. Alle rätseln welch Viech ihn wohl gestochen hat, der Gastgeber weiß Rat, eine Biene. So bekommt die dicke Lippe Honig drauf geschmiert – eine etwas andere, ungewöhliche Art der Behandlung als wir sie kennen, aber wirksam. Nach dem Frühstück kommt ein alter Dorfbewohner und erzählt von einer schweren Zeit, in der die Bewohner von den Kommunisten und der Südkoreanischen Armee ausgebeutet wurde. Alle verlangten von den Bewohnern Nahrung, so dass für sie selbst zu wenig blieb. Wir tauchen einmal mehr in die vielseitige Geschichte Koreas ein. Nun geht es zu einem weiteren Tempel. Hier berichtet eine Koreanerin ein weiteres Mal über die Geschichte des Jiri Mountains. Am Nachmittag fahren wir zurück nach Seoul und die erste Nacht in den Gastfamilien steht bevor. Die deutschen TeilnehmerInnen finden Unterkunft in traditionellen, mittelklasse und gut situierten Familien oder in Studenten WGs. Alle machen jedoch die Erfahrung, dass die Gastfamilie sehr um sie bemüht sind.

13.09.

Die koreanisch-deutschen Teams machen sich auf in die Stadt um verschiedenste Projekte zu besuchen. Zum einen eine Ausstellung von Frauen, die während der japanischen Besatzung als Sex-Sklavinnen „arbeiten“ mussten, zum anderen eine Gedenkstätte für Jun, Tae-il, der sich im Kampf um Rechte für Fabrikarbeiter verbrand hat und zum weiteren wird von einigen Teams ein Gefängnis besucht, in dem Japaner während ihrer Besatzung Koreas Freiheitskämpfer inhaftierten und folterten. Nach den Besuchen werten wir diese aus. Alle bringen interessante aber auch schockierende Informationen mit.

14.08.

Dieser Tag gilt der Ergebnispräsentation des Jugendaustausches. In Kleingruppen stellen alle TeilnehmerInnen dar, was sie voneinander gelernt haben. Dies geschieht in Form von kleinen Rollenspielen und Ergebnisplakaten. Zur Präsentation kommen neben Freunden koreanischer TeilnehmerInnen auch einige fremde Zuschauer die sich für das Projekt interessieren. Alle zusammen gehen wir am Abend aus und haben viel Spaß zusammen.

15.08.

Heute ist der erste Abschiedstag. Alle am Jugendaustausch beteiligten Personen werten die letzten 10 Tage aus. Im Anschluss fertigen wir für jede Person ein Papier an auf dem ihr persönliche Abschiedsworte und Grüße geschrieben werde. Am Nachmittag gehen wir noch auf den Seoultower bevor wir uns ein letztes Mal Seouls Nacht-„leben“ genießen.

16.08.

Tränen am Flughagen und ein letztes Mal winke, winke!

Aeroflot bringt uns gut nach Hause obwohl unsere Taschen voll sind mit den vielen Eindrücken, lieben Kontakten und soviel Informationen, dass es Zeit braucht um all des zu verarbeiten.

Wir bedanken uns bei all denen die uns diese Reise ermöglichten!!

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veröffentlicht am: 16. August 2004
 
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